{"id":24898,"date":"2024-04-03T16:12:45","date_gmt":"2024-04-03T14:12:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kunstmuseum.de\/?p=24898"},"modified":"2024-04-26T14:02:08","modified_gmt":"2024-04-26T12:02:08","slug":"das-habe-ich-alles-im-museum-gelernt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunstmuseum.de\/en\/2024\/04\/das-habe-ich-alles-im-museum-gelernt\/","title":{"rendered":"Seit 30 Jahren bei uns: Werkstattleiter      Armin Kohlrausch erz\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Armin Kohlrausch ist Werkstattleiter im Kunstmuseum Wolfsburg \u2013 seit seiner Gr\u00fcndung vor 30 Jahren. Im Jubil\u00e4umsjahr des Museums blickt der gelernte S\u00e4gewerker zur\u00fcck und erz\u00e4hlt, wie er selbst zum Kunstliebhaber wurde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie sind Handwerker und arbeiten nun seit 30 Jahren am Kunstmuseum Wolfsburg. Das ist eine lange Zeit, um bei einem Arbeitgeber zu bleiben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte nicht geplant, 30 Jahre zu bleiben, aber mittlerweile ist das mein Baby geworden. Das habe ich schnell gemerkt, dass mir das Museum sehr zusagt. Ich habe viel Kraft und Zeit investiert\u2013 mit viel Freude. Und deshalb bin ich heute noch da.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie sah Ihr Werdegang aus, wo haben Sie vorher gearbeitet?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe eine Ausbildung gemacht zum S\u00e4gewerker und war schon f\u00fcr die Meisterschule angemeldet. Aber das Unternehmen wurde verkauft. Es folgten einige Gelegenheitsjobs. Eigentlich wollte ich noch Physik und Mathematik studieren, aber dann kam meine kleine Tochter. Ich habe dann f\u00fcr sieben Jahre in einem Unternehmen f\u00fcr Kommunikationsdesign beim Volkswagenwerk gearbeitet, das war fast wie eine zweite Ausbildung. Dort bin ich viel um die Welt gereist. Als meine Familie mit meiner h\u00e4ufigen Abwesenheit nicht mehr zufrieden war, las ich beim Fr\u00fchst\u00fcck die Zeitungsanzeige, dass das Kunstmuseum einen Werkstattleiter sucht. Das hat gleich geklappt. Und die Arbeit hat mir sehr gut gefallen, weil sie sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und was sind Ihre Aufgaben als Handwerker im Kunstmuseum?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Aufgabe mit meinem Team ist es, den K\u00fcnstlern eine B\u00fchne zu bieten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das hei\u00dft?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft, in Zusammenarbeit mit den Architekten und Kuratoren wird ein Entwurf gemacht und wir diskutieren, wie dieser umgesetzt werden kann und machen das dann: Wir bauen die Ausstellungsarchitektur, also die W\u00e4nde und R\u00e4ume, auf und \u00fcbernehmen die gew\u00fcnschte Farbgestaltung. &nbsp;Und dann helfen wir bei den Installationen der Kunstwerke.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Armin-auf-dem-Steiger-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-25276\" srcset=\"https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Armin-auf-dem-Steiger-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Armin-auf-dem-Steiger-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Armin-auf-dem-Steiger-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Armin-auf-dem-Steiger-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Armin-auf-dem-Steiger-450x600.jpg 450w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Armin-auf-dem-Steiger-100x133.jpg 100w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Armin-auf-dem-Steiger-300x400.jpg 300w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Armin-auf-dem-Steiger-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Wie w\u00fcrden Sie die Beziehung zwischen Ihrer Handwerksarbeit und der k\u00fcnstlerischen Vision beschreiben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist von K\u00fcnstlerin oder K\u00fcnstler abh\u00e4ngig. Einige sind zug\u00e4nglich, sie greifen gerne Ideen auf. Andere haben klare Vorstellungen, da hat man wenig Gestaltungsspielraum. Ein gutes Beispiel f\u00fcr viel Spielraum war <em>XTOONE<\/em> mit Georg Herold (1995). Das ist eine Formel aus der Mathematik, weil Herold ja studierter Mathematiker ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welche Projekte sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben und warum?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Lieblingsausstellung von mir war <em>Japan und der Westen<\/em> (2007\/2008). Es war sehr faszinierend, mit dieser Kultur in Kontakt zu geraten. Ich hatte das gro\u00dfe Vergn\u00fcgen, ein Teehaus zu bauen gemeinsam mit einem japanischen Meister. Das hat mich total umgehauen. Er hat gezeigt, dass Handwerk auch Kunst ist und man das Handwerk auch ehren muss.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-layout-1 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"813\" src=\"https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Eingangspavillon1-von-Matthias-Langer-1024x813.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-25283\" srcset=\"https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Eingangspavillon1-von-Matthias-Langer-1024x813.jpg 1024w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Eingangspavillon1-von-Matthias-Langer-300x238.jpg 300w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Eingangspavillon1-von-Matthias-Langer-768x610.jpg 768w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Eingangspavillon1-von-Matthias-Langer-1536x1220.jpg 1536w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Eingangspavillon1-von-Matthias-Langer-2048x1627.jpg 2048w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Eingangspavillon1-von-Matthias-Langer-755x600.jpg 755w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Eingangspavillon1-von-Matthias-Langer-100x79.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"814\" src=\"https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Teeraum2-von-Matthias-Langer-1024x814.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-25285\" srcset=\"https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Teeraum2-von-Matthias-Langer-1024x814.jpg 1024w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Teeraum2-von-Matthias-Langer-300x238.jpg 300w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Teeraum2-von-Matthias-Langer-768x610.jpg 768w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Teeraum2-von-Matthias-Langer-1536x1220.jpg 1536w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Teeraum2-von-Matthias-Langer-2048x1627.jpg 2048w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Teeraum2-von-Matthias-Langer-755x600.jpg 755w, https:\/\/www.kunstmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Teeraum2-von-Matthias-Langer-100x79.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Wie hat sich Ihr Handwerkszeug \u00fcber die Jahre entwickelt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie alles hat es sich weiterentwickelt, besonders in den letzten zehn Jahren in die digitale Richtung. Wir haben so gut wie kein Papier mehr. F\u00fcr Skizzen nutzen wir es noch, aber Planung und so weiter, das l\u00e4uft alles am Rechner und \u00fcbers Netz. Ich drucke so gut wie nichts mehr aus. Fr\u00fcher habe ich Dokumentenrollen hin- und hergeschickt. Das ist noch gar nicht so lange her.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gibt es bestimmte Materialien, die im Laufe der Zeit veraltet sind, aber die Sie immer noch sch\u00e4tzen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich liebe massives Holz. Vor allem den Geruch. Jedes Holz hat seinen eigenen Geruch, das finde ich faszinierend. Aber aus Massivholz kannst du keine gro\u00dfen W\u00e4nde bauen, das verzieht sich sofort. Was ich auch gut finde: Dass wir im Farbbereich mit l\u00f6semittelfreien Produkten arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welche Herausforderungen gibt es bei der Instandhaltung des Geb\u00e4udes?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>2019 haben wir eine Sanierung durchgef\u00fchrt, der ganze Fu\u00dfboden wurde neu gemacht und alle Bestandsw\u00e4nde wurden neu verkleidet mit Gipskartonplatten. Der Aufzug wurde gebaut f\u00fcr das Restaurant. Als n\u00e4chstes m\u00fcssen wir sehen, dass wir irgendwann die komplette Verglasung erneuern, die entspricht bei Weitem nicht dem heutigen Stand. Das kann man in Etappen machen, es ist aber auch ein riesiger Kostenfaktor. Diese Dinge stehen an, auch in Bezug auf Nachhaltigkeit. Derzeit stellen wir ja die Beleuchtung in der Halle auf nachhaltige LED-Leuchten um \u2013 auch ein Wahnsinnsprojekt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gehen Sie denn auch in andere Museen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich mache sehr gerne St\u00e4dtereisen mit zwei Freunden, und grunds\u00e4tzlich stehen Museumsbesuche auf dem Programm, in Dresden haben wir z.B. eine wunderbare Gerhard-Richter-Ausstellung gesehen. Ich interessiere mich seit etlichen Jahren f\u00fcr Kunst, das ist eine richtige Liebhaberei geworden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hat sich Ihr Verst\u00e4ndnis von Kunst und Kultur durch Ihre Arbeit am Museum ver\u00e4ndert?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Absolut. Ich hatte vorher keine Ahnung von Kunst. Ich kannte gewisse K\u00fcnstler, klar, jemanden wie Mondrian oder Andy Warhol. Ich hatte sonst aber keinen Zugang zu Kunst. Das habe ich alles im Museum gelernt. Es hat sich so weit entwickelt, dass ich seit 25 selbst sammele.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und welches war das erste Werk?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da muss ich \u00fcberlegen! Das muss eine Lithographie-Reihe gewesen sein. Ja, von Marc Chagall.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und das letzte?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das war Imi Knoebel.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und die h\u00e4ngen alle in Ihrer Wohnung?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe wenig Platz in meiner Wohnung, aber ich plane, vor meinem Ruhestand noch etwas Ad\u00e4quates zu kaufen nach der Pr\u00e4misse: Wie viel H\u00e4ngefl\u00e4che habe ich? Derzeit besitze ich ca. 30 Werke, die sind eingelagert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welche besonderen Begegnungen verbinden Sie pers\u00f6nlich mit der Geschichte des Museums?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Besonders imposant war der Aufbau der Ausstellung mit Jeppe Hein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Warum?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Jeppe ist ein sehr zug\u00e4nglicher Typ. Und rief auch mal: \u201eLos, kommt Tischtennisspielen! Es gibt Bier und Kuchen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und was waren die herausforderndsten Aufgaben, die Sie bearbeiten mussten?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das k\u00f6nnte Olafur Eliasson gewesen sein. Da haben wir die ganze Halle mit einer Spiegelfl\u00e4che abgedeckt. 1600 Quadratmetern Spiegelfl\u00e4che oberhalb der W\u00e4nde. Das war sehr kompliziert, ich wei\u00df nicht, wie viele tausend Teile wir montieren mussten in einer sehr kurzen Zeit. Da hatten wir Zweifel, ob wir fertig werden. Aber es ist \u2013 wie immer \u2013 fertig geworden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was bedeutet es f\u00fcr Sie, Teil des 30-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des Museums zu sein?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe das Haus mehr oder weniger adoptiert, da freue ich mich sehr auf das Jubil\u00e4umswochenende. Ich kann mich sehr gut an die Er\u00f6ffnung vor 30 Jahren erinnern. Das war f\u00fcr mich damals eine \u00e4u\u00dferst neue Situation: Der Ministerpr\u00e4sident Gerhard Schr\u00f6der und der franz\u00f6sische Kulturminister Jack Lang waren da. Es war ein tolles Fest.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und worauf freuen Sie sich beim Jubil\u00e4um?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe, alte Freunde wiederzutreffen, lecker zu essen und zu trinken und gute Musik auf dem Hollerplatz zu h\u00f6ren. Die Sammlungsausstellung <em>Welten in Bewegung<\/em> ist auch ein Highlight, aber ich kenne ja alles. Die einzige \u00dcberraschung f\u00fcr mich wird Jonathan Meese werden, die Arbeit habe ich noch nicht gesehen. Ich kenne Fotos, aber es ist was anderes, wenn man es in den H\u00e4nden hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Armin Kohlrausch ist Werkstattleiter im Kunstmuseum Wolfsburg \u2013 seit seiner Gr\u00fcndung vor 30 Jahren. 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