Für die Kunst besitzt Zuversicht eine besondere, ja verdichtete Bedeutung. Künstlerisches Schaffen ist immer ein Wagnis. Es beginnt ohne Garantie auf Verständnis, Anerkennung oder Erfolg. Wer Kunst schafft, investiert Wissen, Erfahrung, Zeit, Gefühl, Kreativität und konzeptionelles Denken in etwas, dessen Wert sich erst im offenen Dialog mit anderen zeigt. Zuversicht ist hier das Vertrauen in die Ausdruckskraft der eigenen Wahrnehmung und in die Fähigkeit von Kunst, Resonanz zu erzeugen. Ohne diese Haltung würden Künstlerinnen und Künstler im Stadium des bloßen Entwurfs oder der Anpassung an Erwartungen verharren. Zugleich ist Zuversicht in der Kunst nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich relevant. Kunst behauptet – oft implizit –, dass neue Perspektiven möglich sind, dass Wirklichkeit anders gesehen, erzählt und empfunden werden kann. Gerade in Zeiten von Krisen, Transformationen oder Sinnverlust ist sie eine Institution, in der alternative Denk- und Gefühlsräume erprobt werden. Die Zuversicht der Kunst bzw. in der Kunst besteht darin, dass Offenheit, Ambivalenz und sogar Irritation produktiv sein können. Sie vertraut darauf, dass der Mensch fähig ist, sich auf Ungewohntes, gar Provokantes einzulassen und daraus Erkenntnis oder Erfahrung zu gewinnen.
So verbindet Zuversicht menschliches Handeln und Kunst auf grundlegende Weise. In beiden Fällen ist sie keine Garantie, sondern eine Voraussetzung: die Voraussetzung dafür, überhaupt anzufangen, sich auszusetzen und Sinn zu riskieren. Wo Zuversicht gelebt wird, entsteht Handlungsspielraum – im Alltag wie im künstlerischen Ausdruck. Und vielleicht liegt gerade darin ihre größte Bedeutung: Sie hält die Möglichkeit offen, dass Zukunft mehr sein kann als die bloße Fortschreibung der Gegenwart. Dies alles und noch viel mehr kulminierte im Jahr 2025 in unserer Ausstellung Utopia. Recht auf Hoffnung. Aber fangen wir von vorne an!
Das Jahr 2025 war für uns im Kunstmuseum Wolfsburg ein Jahr voller bereichernder Begegnungen, schönen Veranstaltungen und eindrucksvoller Erfolge: Die Ausstellung Leandro Erlich. Schwerelos, die sich mit ihren illusionären Installationen als wahrer Publikumsmagnet erwiesen hat – war mit mehr als 76.000 Besucher*innen die bisher erfolgreichste Ausstellung unseres Museums. Besonders erfreulich ist auch die weitreichende mediale Aufmerksamkeit gewesen, die wir mit der Schau erfahren durften und die das öffentliche Interesse an unserer Arbeit noch weiter verstärkt und zu diesem großartigen Erfolg beigetragen hat.
Während mit Leandro Erlich Großes in der Halle gezeigt wurde, hat sich mit der Lounge als erweiterter kleiner Ausstellungsort ein Kabinett-Format etabliert: Dort wurden aus Anlass des dritten Jahrestages des Kriegsausbruches in der Ukraine Werke der Künstlerin Iryna Vorona unter dem Titel Im Angesicht des Krieges präsentiert. Die kostenlos zugängliche Ausstellung zeigte beeindruckende Zeichnungen, die Menschen des überfallenen Landes in den Blick nahmen.
Mit Freischwimmen. Köpper in die Kunst! hat zum ersten Mal in der Geschichte unseres Museums ein aus allen Abteilungen zusammengesetztes Kuratorinnen-Team eine viel beachtete Sammlungsschau konzipiert. Ausgewählte Werke wurden dort im Rahmen von unkonventionellen Settings in spannungsvolle Dialoge gesetzt, was den Besucher*innen viel Freude bereitet hat. Wenige Tage nach der Eröffnung der Ausstellung haben wir unseren langjährigen Sammlungsleiter und Kurator Holger Broeker in den Ruhestand verabschiedet. Im Beisein von vielen Wegbegleiter*innen und Künstler*innen wurde nach mehr als 30 Jahren ein verdienstvolles und emotionales Dienstende gefeiert.
Im Sommer wurde die Lounge erneut für eine Kabinettausstellung genutzt: In Kooperation mit der Stiftung Kai Dikhas sowie der Kompetenzstelle gegen Antiziganismus der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten wurde dort die Schau Ceija Stojka. Wir konnten nichts tun präsentiert. Die Künstlerin, Autorin und Holocaust-Überlebende Ceija Stojka (1933–2013) zählt heute zu den bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen Rom*nja-Kunst. Mit dieser ersten deutschen musealen Einzelausstellung würdigte das Kunstmuseum Wolfsburg ihr künstlerisches und politisches Lebenswerk.
Programmatischer Höhepunkt des Jahres war die am 26. September eröffnete große Themenschau Utopia. Recht auf Hoffnung. Sie wurde in allen wichtigen Medien positiv besprochen (u. a. ZDF, FAZ, SZ, ZEIT, taz, NDR). Besonders erfreulich war es, dass zum zweiten Mal in Folge eine unserer Ausstellungen in einer Hauptnachrichtensendung (ZDF heute journal) ausführlich vorgestellt worden ist. Es ist offensichtlich, wie wichtig in diesen Zeiten Hoffnung und Zuversicht sind und wie sehr diese Aspekte die Menschen ansprechen. Die vielen positiven Rückmeldungen und das rege Interesse bestätigen, dass wir mit Utopia und ihren Themen den Nerv der Zeit getroffen haben. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Diskussionen und einem ganztägigen Symposium (in Kooperation mit der Akademie der Künste in Berlin) rundete die Schau ab, die ab dem 11. April 2026 in verkleinerter Version in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen ist.
Als letzte Ausstellung des Jahres wurde Małgorzata Mirga-Tas. Eine alternative Geschichte präsentiert. Die in internationaler Kooperation mit dem Kunstmuseum Luzern sowie dem Henie Onstad Kunstsenter, Høvikodden, realisierte Schau begeistert mit ihren großformatigen textilen Arbeiten, in denen die Romni-Künstlerin Themen wie Familie, Gemeinschaft und Solidarität visualisiert. Besonders erfreulich war es, dass die deutsche Sektion des internationalen Kunstkritik-Verbands AICA die Schau als „Besondere Ausstellung“ des Jahres 2025 ausgezeichnet hat.
Wir haben aber im zurückliegenden Jahr nicht nur die erwähnten Ausstellungen er-folgreich realisiert, sondern auch weiterhin Fortschritte im Bereich der Kunstvermitt-lung zu verzeichnen. Unsere innovative Kunstvermittlung hat u. a. mit der Open Area ein zukunftsweisendes Projekt auf den Weg gebracht, das in Kooperation mit der Stadt Wolfsburg 2026 realisiert wird. Parallel dazu haben wir – dank der groß-zügigen Förderung des Landes Niedersachsen – auch eine langfristige Kooperation mit der HBK Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig starten können, die bis 2030 dafür sorgen soll, dass mehr Studierende zu uns kommen und von unseren Ausstellungen und Programmen profitieren sollen. Dafür ist künftig ein eigens eingestellter Programmkurator zuständig.
Anfang des Jahres 2025 haben wir mit der Gründung unserer wob³walls gGmbH unser nachhaltiges Stellwandsystem auf eine noch professionellere Ebene gehoben: Aufgrund der vielen Vorteile unseres mobilen Wandsystems steigen die Aufträ-ge kontinuierlich an, da immer mehr Museen und Galerien von der Qualität der wob³walls überzeugt sind – auch das ein Grund zur Freude!
Der Freundeskreis des Kunstmuseum Wolfsburg e. V. mit der Young Generation haben auch im Jahr 2025 in bewährter Weise das Haus unterstützt und mit neuen Formaten nicht nur die Mitglieder, sondern auch weitere Interessierte begeistert. Zu erwähnen sind hier nicht nur die verschiedenen Reisen und Previews, u. a. mit einer veganen Kochperformance im Rahmen der Utopia-Schau, sondern beispielsweise auch die Performance von CHELO oder der Art Rave der Young Generation, der wieder viel junges Publikum angezogen und begeistert hat.
Zuversicht als Programm zahlt sich aus! Nicht nur wir, sondern auch unsere Unterstützer*innen und Förderer und Förderinnen wurden im vergangenen Jahr damit belohnt, dass wir abermals die Besucherzahlen steigern konnten – auf rund 64.000, das ist ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um rund 20 % – und vor allem dadurch, dass sich dank des Formats Young&Free der Anteil der unter 18-Jährigen nochmals deutlich vergrößert hat, nun auf rund 15.000! Das ist ein Grund zur Freude und ein schöner Erfolg. Für dieses Interesse an unseren Ausstellungen, Veranstaltungen und Vermittlungsangeboten danken wir unserem Publikum vielmals. Denn für Sie und Euch engagiert sich das gesamte Team des Kunstmuseum Wolfsburg jeden einzelnen Tag im Jahr. Und wir schauen zuversichtlich in die Zukunft, dass dies auch weiterhin so bleiben wird.
Andreas Beitin & Team






















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