2023 wird ein Jahr voller außer­ge­wöhn­li­cher künst­le­ri­scher Positionen: vom Medien­star Piet Mondrian und seine Folgen, über faszi­nie­rende Gemein­schafts­werke von Freund*innen, engen Vertrauten, Liebes­paaren oder auch Konkurrent*innen zu der kanadisch-franzö­si­schen Künst­lerin Kapwani Kiwanga mit ihren kontem­pla­tiven großfor­ma­tigen Instal­la­tionen zu den fragilen Wundern von Dokumen­tar­fo­to­graf Paolo Pellegrin.

Mit Re-Inventing Piet. Mondrian und die Folgen (11. März – 16. Juli 2023) startet das Kunst­mu­seum Wolfsburg im März mit einem ersten Highlight. Die Schau zeigt ausgehend von Werken aus Piet Mondrians bekann­tester Schaf­fens­phase der „Neuen Gestal­tung“, wie vielfältig und umfassend sein ikoni­scher Stil von der Mode, dem Design, der Archi­tektur, der Konsum­kultur und vor allem von der Kunst selbst zitiert, variiert und adaptiert worden ist – ein ganzer Kosmos an Hommagen, intel­li­genten Neuin­ter­pre­ta­tionen oder Persiflagen.

Sophie Taeuber-Arp, Compo­si­tion verticale-horizon­tale, 1915–1916, Farbstift und Bleistift auf Papier, 23,7 x 19,3 cm, Stiftung Arp e. V., Berlin/Rolandswerth

Die Ausstel­lung Freund­schaften. Gemein­schafts­werke von Dada bis heute (14. Mai – 24. September 2023) befasst sich mit einem faszi­nie­renden künst­le­ri­schen Phänomen: dem gemein­samen Schaffen von Kunst­werken. Die in Koope­ra­tion mit dem Mucem in Marseille entstan­dene Schau zeigt zahlreiche Kunst­werke inter­na­tional bedeu­tender Künstler*innen, wie Salvador Dalí, Jenny Holzer oder Martin Kippen­berger. Teils spontan, teils über einen längeren Zeitraum hinweg haben die verschie­denen Künstler*innen in unter­schied­li­chen Konstel­la­tionen immer wieder gemeinsam Kunst­werke erschaffen – von klein­for­ma­tigen, vom Zufall bestimmten Faltzeich­nungen über Skulp­turen bis hin zu monumen­talen Gemälden. Sowohl bei Re-Inventing Piet. Mondrian und die Folgen als auch bei Freund­schaften werden bedeu­tende künst­le­ri­sche Praxen unter­sucht und vorge­stellt, die nicht nur für die Kunst eine eminente Rolle spielen, sondern auch im täglichen Leben einen Nieder­schlag finden, wie etwa im Copy-and-paste-Verfahren und im kollek­tiven Arbeiten.

Nusch Éluard, Paul Éluard und unbekannt, Cadavre exquis, ca. 1930 Buntstift auf schwarzem Papier, 32,5 × 24 cm Sammlung David und Marcel Fleiss, Galerie 1900−2000, Paris, Foto: Galerie 1900–2000, Paris

Ein weiteres Highlight folgt im spät Sommer mit der großen Einzel­aus­stel­lung der kanadisch-franzö­si­schen Künst­lerin Kapwani Kiwanga (16. September 2023 – 7. Januar 2024). Das Kunst­mu­seum Wolfsburg hat sich genau zum richtigen Zeitpunkt entschieden, mit ihr die erste umfas­sende Museums­schau in Deutsch­land zu reali­sieren: Kiwangas beein­dru­ckender Auftritt auf der letzten Biennale von Venedig, die Auszeich­nung mit dem Zurich Art Prize 2022 sowie die folgende Einzel­aus­stel­lung im New Museum in New York haben unsere Entschei­dung bestätigt. Kapwani Kiwanga wird in der ihr eigenen Ästhetik und mit teils extra konzi­pierten großfor­ma­tigen Instal­la­tionen die Halle in einen kontem­pla­tiven, aber zugleich auch diskursiv aufge­la­denen Ort verwandeln.

Kapwani Kiwanga, pink-blue, 2017 Baker-Miller rosa Farbe, weiße Farbe, weiße Leucht­stoff­röhren, blaue Leucht­stoff­röhren, Maße variabel, Instal­la­ti­ons­an­sicht, A wall is just a wall, The Power Plant, Toronto (CA), 2017 © Kapwani Kiwanga, Courtesy die Künst­lerin und Goodman Gallery, Kapstadt, Johan­nes­burg, London/Galerie Poggi, Paris/Galerie Tanja Wagner, Berlin Foto: Tony Hafkenscheid

Der Ausstel­lungs­reigen des Jahres 2023 setzt sich dann im Herbst fort mit der Schau Paolo Pellegrin. Fragile Wunder (25. November 2023 – 17. März 2024). Der 1964 in Rom geborene Pellegrin – seit 2005 Mitglied der Fotoagentur Magnum – wurde mit unzäh­ligen hochka­rä­tigen Preisen ausge­zeichnet und ist einer der berühm­testen Dokumen­tar­fo­to­grafen unserer Zeit. In seiner Ausstel­lung zeigen wir erstmals in Deutsch­land zu sehende Bilder, die von der Schönheit, aber auch Fragi­lität der Natur auf unserem Planeten berichten und von der Bedeutung, diese Werte für uns und künftige Genera­tionen zu erhalten. Dabei gelingt es ihm auf eindrucks­volle Weise, durch die Trans­for­ma­tion des auf aller Welt Gesehenen, immer wieder die Grenzen zur Kunst­fo­to­grafie zu überschreiten.

Paolo Pellegrin, Sonoyta. Sonoran Desert. MEXICO. May 2019. © Paolo Pellegrin/Magnum Photos