Im Rahmen ihres Volks­wagen Group Fellow­ship 2025 initi­ierten Daniele Lauriola und Luisa Bergander vom soft systems collec­tive am Kunst­mu­seum Wolfsburg das, am Kunst­mu­seum Wolfsburg das Programm trans­for­mativ softe räume. Das Projekt ging der Forschungs- und Gestal­tungs­frage nach, welche Rolle Kunst und ästhe­ti­sche Erfahrung in Zeiten tiefgrei­fender gesell­schaft­li­cher Umbrüche spielen können – und wie sie Räume eröffnen, in denen Menschen neue Formen des Denkens, Wahrneh­mens und Handelns erproben.

Über mehrere Monate hinweg begab sich eine feste Gruppe – Menschen aus dem lokalen Kontext, die bereits in gesell­schaft­li­chen Bereichen aktiv sind – auf eine gemein­same Lernreise, die künst­le­ri­sche Erfahrung, syste­mi­sches Denken und persön­liche Reflexion und Entwick­lung mitein­ander verband. In mehreren unter­schied­li­chen Zusam­men­künften – vom Auftakt The Softening bis zum Abschluss Soft Landing – wurde erkundet, wie indivi­du­elle Handlungs­spiel­räume und größere gesell­schaft­liche Dynamiken mitein­ander verwoben sind. Themen wie die syste­mi­sche Klima­krise, Poly- und Metakrisen, persön­liche Antreiber und Glaubens­sätze sowie Fragen von fractal agency (d. h. von Handlungs­fä­hig­keit, die sich über viele Ebenen hinweg wieder­holt und verschach­telt ist) und experi­men­tellen Verän­de­rungs­prak­tiken bildeten dabei wichtige Bezugspunkte.

Foto: Lukas Groß
Foto: Lukas Groß

Der Erfah­rungs­raum des Museums spielte eine zentrale Rolle: Workshops, angelei­tete Gespräche, gemein­same Scree­nings, perfor­ma­tive Momente und Begeg­nungen mit Ausstel­lungen verbanden theore­ti­sche Perspek­tiven mit körper­li­cher und ästhe­ti­scher Erfahrung. So entstanden Lernfor­mate, die Wissen nicht nur vermit­teln, sondern erfahrbar machen – und in denen kollek­tive Reflexion ebenso wichtig ist wie indivi­du­elle Selbstverortung.

Foto: Lukas Groß

Ein wichtiger Aspekt dabei war das „Softe“: Quali­täten wie Aufmerk­sam­keit, Resonanz, Offenheit und die Fähigkeit, Ambiva­lenzen auszu­halten. In einer Zeit, die häufig nach schnellen Lösungen und klaren Antworten verlangt, versteht das Projekt diese Haltungen und die innere Entwick­lung dieser Quali­täten als entschei­dende Kompe­tenzen für trans­for­ma­tive Vermitt­lungs­räume. Viele Teilneh­mende beschrieben einen Perspek­tiv­wechsel – weg vom Anspruch, komplexe Systeme kontrol­lieren zu wollen, hin zu einem sensi­bleren, beglei­tenden Umgang mit ihnen und zu einem bewuss­teren inter­ven­tio­nalen Handeln innerhalb des eigenen Lebens- und Wirkungsbereichs.

Foto: Lukas Groß
Foto: Lukas Groß

Den Abschluss der Lernreise bildete ein von den Teilneh­menden selbst gestal­tetes Soft Gathering, bei dem sie die Erfah­rungen des Programms in ihre eigenen Netzwerke und Wirkungs­kreise weiter­trugen und erlebbar machten. Damit versteht sich trans­for­mativ softe räume weniger als abgeschlos­senes Projekt, sondern als Ausgangs­punkt für weitere Experi­mente: als Einladung, Trans­for­ma­tion nicht nur zu denken, sondern Erfah­rungs­räume zu gestalten, in denen sie gemeinsam erprobt werden kann.

Foto: Till Mattmüller
Foto: Till Mattmüller

In diesem Jahr soll diese Forschungs- und Gestal­tungs­ar­beit im Rahmen der Kunst­ver­mitt­lung weiter­ge­führt werden. Ein beson­derer Fokus liegt dabei auf der Öffnung des Ansatzes in Richtung der Open Area des Kunst­mu­seum Wolfsburg. Hier sollen ausge­wählte Elemente der Lernreise – etwa experi­men­telle Gesprächs­for­mate, verkör­perte Praktiken oder kleine Inter­ven­tionen – für ein breiteres Publikum zugäng­lich gemacht und als Teil der Vermitt­lungs­ar­beit im Museum weiter­ent­wi­ckelt werden. Ziel ist es, den Ansatz von trans­for­mativ softe räume nicht nur projekt­ba­siert, sondern perspek­ti­visch als Haltung und Praxis stärker im Museums­kon­text zu verankern.

Foto: Till Mattmüller
Foto: Till Mattmüller

Parallel dazu ist eine weiter­füh­rende Forschung und Dokumen­ta­tion des Projekts geplant. In einer Publi­ka­tion sowie in beglei­tenden Forschungs­for­maten sollen die Erfah­rungen aus dem Programm reflek­tiert und syste­ma­ti­siert werden: Welche Bedin­gungen ermög­li­chen trans­for­mativ wirksame Erfah­rungs­räume? Welche Rolle spielen ästhe­ti­sche Praxis, kollek­tive Reflexion und persön­liche Entwick­lung in solchen Prozessen? Die Ergeb­nisse sollen dazu beitragen, ein wachsendes Reper­toire an Methoden und Prinzi­pien für soft trans­for­ma­tive Erfah­rungs­räume zusam­men­zu­stellen – als Inspi­ra­tion für zukünf­tige Vermitt­lungs­for­mate an der Schnitt­stelle von Kunst, Lernen und gesell­schaft­li­cher Transformation.

Titelbild: Till Mattmüller