Imi Knoebel

Werke 1966-2014

25. 10. 2014 — 15. 2. 2015

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„Ich versuche, wenn ich eine Ausstel­lung mache, einfach ein neues Bild zu schaffen, mit diesen Bildern, die ich gerade gemacht habe oder die ich zusam­men­bringe.” Imi Knoebel

Anläss­lich des 75. Geburts­tages von Imi Knoebel (*1940 in Dessau) richtet das Kunst­mu­seum Wolfsburg nach fast 20 Jahren die weltweit erste umfas­sende Ausstel­lung zum Œuvre dieses bedeu­tenden deutschen Künstlers aus. „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014” zeigt zentrale Werke und Werkgruppen von den „Linien­bil­dern” (1966–68) über „Raum 19 III” (1968/2006), „Eigentum Himmel­reich” (1983) und den Alumi­ni­um­bil­dern der 1990er-Jahre bis hin zu aktuellen Arbeiten. Die Präsen­ta­tion bedeu­tender Leihgaben aus privaten und öffent­li­chen europäi­schen Sammlungen unter­stützt der Maler mit Werken aus seinem Privat­be­sitz. Über 100 Gemälde, Objekte und Instal­la­tionen dokumen­tieren die außer­ge­wöhn­liche Rolle, die Imi Knoebel in der Kunst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun­derts bis heute spielt.

Als langjäh­riger Schüler von Joseph Beuys, der den Kunst­be­griff revolu­tio­nierte, entwi­ckelt Knoebel bereits an der Kunst­aka­demie Düssel­dorf ein grund­le­gendes Formenvoka­bular, aus dem er rigoros abstrakte Bilder schafft. Kasimir Malewitsch, der Maler des „Schwarzen Quadrats” (1915), liefert ihm den Nährboden für eine künst­le­ri­sche Haltung jen­seits der »Welt der Dinge«. Bereits die erste raum­greifende Arbeit, die Knoebel 1968 noch an der Akademie baut, legt eine grund­le­gende Eigen­schaft seines Œuvres offen: die Hin­terfragung der Malerei im Raum. Die Anordnung der 836 Einzel­teile von „Raum 19 III” stellt eine Synthese aus Atelier, Lager und Ausstel­lungsort dar. In Kombi­na­tion mit der phos­phorfarben leuch­tenden „Batterie” (2005) thema­ti­siert sie auch das »gespei­cherte« Potenzial frü­her Arbeiten, aus dem der Künstler schöpft, und das er immer wieder »neu auflädt«.

Knoebel bedient sich in den Jahren 1968 − 1974 auch der Fotografie und des Lichts als eigen­stän­dige Medien innerhalb seiner Konzep­tion von Malerei, u.a. für seine Innen-und Außen­pro­jek­tionen und die „Sternen­himmel”. Seit 1975 bis heute arbeitet er an sich überschnei­denden monochromen Recht­ecken, den sogenannten „Menni­ge­bil­dern”. Während sich seine Palette in den frühen Jahren auf die Farben Weiß und Schwarz, die warme Farbe der Hartfaser und die Rostschutz­farbe Mennige konzen­triert, beginnt Knoebel ab 1976, sich weitere Farben anzueignen. Erstmals wird im Kunst­mu­seum Wolfsburg die achttei­lige Arbeit „Schwules Bild” (1976) ausge­stellt, mit der er seinen Schritt in die Aufsplit­te­rung von Form und Farbe wagt. Erstmals wird im Kunst­mu­seum Wolfsburg die achttei­lige Arbeit „Schwules Bild” (1976) ausge­stellt, mit der er seinen Schritt in die Aufsplit­te­rung von Form und Farbe wagt.

In den 1980er-Jahren erweitert er sein Formen­re­per­toire entschei­dend um Fundstücke und arbeitet mit aufge­stö­berten Materia­lien wie altem Holz, rostigem Eisen, gebrauchten Schläu­chen, gealtertem Wellblech. So entstehen mehrtei­lige Arbeiten wie „Eigentum Himmel­reich” (1983), die in der Ausstel­lung zu sehen sein werden. Knoebels Interesse an Form, Grund, Gliede­rung, Linie, Fläche und Farbe inspi­riert ihn 1990 zu den ersten Reliefs aus Aluminium, deren vielschich­tige Varia­tionen fortan einen wichtigen Platz in seinem Werk einnehmen. Mit diesen objekt­haften Alumi­ni­um­bil­dern verläss­t­Kno­ebel abermals das Geviert der Leinwand und dringt mit dem Bild in den Raum vor.

Mit seiner Serie „Ich Nicht” (2004 – 2006) liefert er eine origi­nelle Antwort auf Barnett Newmans Gemälde „Who‘s Afraid of Red, Yellow and Blue?” (1966–70) und thema­ti­siert die Primär­farben der Abstrak­tion im 20. Jahrhun­dert. Letztere kommen erneut in den sechs Glasbil­dern für die Apsis der Kathe­drale von Notre-Dame in Reims zur Geltung, die im Juni 2011 enthüllt wurden. Diese grandiosen Kirchen­fenster machen ihn weit über die Kunst­szene hinaus einer breiteren Öffent­lich­keit bekannt.

Die Ausstel­lung „Imi Knoebel. Werke 1966 − 2014” des Kunst­mu­seum Wolfsburg fächert die viel­schichtige Entwick­lung des Œuvres von Imi Knoebel über eine Zeitspanne von fast 50 Schaffensjah­ren auf. Jedes einzelne Bild ist Teil eines sich stets erwei­ternden Gesamt­werks. Bis heute greift Imi Knoebel frühere Arbeiten auf, ergänzt und erweitert sie, oder inter­pre­tiert sie neu. Als Bausteine die­ser Werkent­wick­lung werden auch aktuelle Arbeiten des Malers wie „Ein Drachen für Brigitta” (2014), die bisher noch nicht gezeigt wurden, in die Ausstel­lung einge­bunden. Dieser Schaf­fens­pro­zess in­nerhalb des Gesam­tœu­vres spiegelt sich auch in der Inszenierung.

Die 40 x 40 Meter große Ausstel­lungs­halle bietet seinem Werk eine adäquate, offene und großzü­gige Archi­tektur. Der Künstler platziert darin »drei diagonal durch den riesigen Raum gezogene Wände, damit eröffne ich Wege«, erklärt Imi Knoebel, der seine Ausstel­lung selbst insze­niert hat. Eine Wand ist für ihn nicht einfach eine frei verfüg­bare Hänge­fläche, sondern wird Teil des Bildes und der Ge­staltung. Je nach Stand­punkt des Betrach­ters innerhalb des weitläu­figen Raumes sind vielfache Blick­achsen und wechselnde Konstel­la­tionen möglich. Der Dialog der Werke wird zum zentralen Thema der Ausstel­lung. In dieser Präsen­ta­tion bewegt sich der Besucher nicht nur von Werk zu Werk und von Bilder­wand zu Bilder­wand, sondern kann im Durch­wan­dern der Halle neue Bezüge zwischen den einzelnen Bildern, den Werkgruppen und dem Ausstel­lungs­raum herstellen. Imi Knoebels Bilder aktivieren nicht nur den Raum, sie aktivieren auch das Publikum. Obgleich die Ausstel­lung auf nahezu fünf Jahrzehnte zurück­blickt, ist sie nicht chrono­lo­gisch angelegt. Zu Beginn zeigt sie, so Imi Knoebel, »eigent­lich nur die Anfänge – und dann ist alles durcheinander!«

Der umfang­reiche Katalog zur Ausstel­lung enthält neben Essays von Marie-Amélie zu Salm-Salm, Martin Schulz und Max Wechsler, einem Interview des Künstlers mit Johannes Stüttgen, State­ments von Ausstel­lungs­ma­chern und Wegbe­glei­tern sowie einer ausführ­li­chen Werkbio­grafie von Carmen Knoebel auch zahlreiche Instal­la­ti­ons­auf­nahmen und erscheint im Kerber Verlag. Museums­preis € 38,-. Online zu bestellen im Museumshop.

Die Ausstel­lung wird von der Volks­wagen Financial Services AG unterstützt.

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