Freundschaften

Gemeinschaftswerke von Dada bis heute

13. 5. — 24. 9. 2023

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In kaum einer Zeit waren die Idee vom Arbeiten im Team sowie das Bündeln von verschie­denen Kompe­tenzen so omniprä­sent und populär wie in der Gegenwart. Lange bevor sich auch im Feld der Kunst Künstler*innen zu permanent zusam­men­ar­bei­tenden Duos oder Kollek­tiven gruppierten, entstanden vor allem im 20. und 21. Jahrhun­dert aus den unter­schied­lichsten persön­li­chen, kunst- und zeithis­to­ri­schen Hinter­gründen gemein­schaft­lich reali­sierte Kunst­werke. Die Ausstel­lung Freund­schaften. Gemein­schafts­werke von Dada bis heute erforscht die Bedin­gungen und zeitli­chen Konstel­la­tionen, die dazu führten, dass Bekannte, enge Vertraute, Freund*innen, Liebes­paare oder auch Konkurrent*innen sich für einen begrenzten Zeitraum einem kolla­bo­ra­tiven Arbeits­pro­zess widmeten.

Insbe­son­dere in der Rückschau lassen sich das kolle­giale Mitein­ander und die Werkge­nese leicht ideali­sieren. Dabei förderte nicht nur das vergnüg­liche Zusam­men­ar­beiten, sondern auch der (Wett-)Streit unter Freund*innen die progres­sivsten Ideen sowie neuen künst­le­ri­schen Methoden zutage. Das Ausfechten von Disputen und komplexe amouröse Bezie­hungen beglei­teten auch den Prozess, der zur vielleicht wichtigsten Entde­ckung der Surrea­listen führte, den Cadavres exquis. Mit der geteilten Autor*innenschaft verän­derten sie durch das von Zufall und Impro­vi­sa­tion geprägte Spiel maßgeb­lich das Paradigma des genuinen künst­le­ri­schen Ausdrucks. Die Dadaisten erfanden die gemein­same Aktions­kunst, die von den Fluxus-Künstler*innen mit neuen Themen weiter­ent­wi­ckelt wurde. Angetrieben von einem gemein­samen gesell­schafts­po­li­ti­schen Engage­ment reali­sierte beispiels­weise eine Gruppe von Künstlern 1960 das Grand tableau antifa­sciste collectif aus Solida­rität mit einer algeri­schen Freiheits­kämp­ferin sowie um gegen Kolonia­lismus und Folter zu protestieren.

Das in Koope­ra­tion mit dem Mucem – Museum der Zivili­sa­tionen Europas und des Mittel­meers in Marseille entwi­ckelte länder­über­grei­fende Ausstel­lungs­pro­jekt (dort ist die Schau noch bis zum 13. Februar 2023 zu sehen) zeigt ein Spektrum an gemein­schaft­lich geschaf­fenen Kunst­werken und ist gewis­ser­maßen selbst Ausdruck einer freund­schaft­li­chen Zusam­men­ar­beit der Kuratorin Blandine Chavanne mit dem Künstler Jean-Jacques Lebel als wissen­schaft­li­chem Beirat. Die Länder der beiden Partner­in­sti­tu­tionen, Frank­reich und Deutsch­land, verbinden ebenfalls enge freund­schaft­liche Bande.

Beglei­tend zur Ausstel­lung ist eine umfang­reich illus­trierte Publi­ka­tion im Hatje Cantz Verlag erschienen (Hrsg. Blandine Chavanne und Jean-Jacques Lebel mit Andreas Beitin und Jean François Chougnet), die Essays, ausführ­liche Werktexte und Inter­views namhafter Autor*innen enthält, um die Geschichte und Hinter­gründe der gemein­schaft­lich entstan­denen Kunst­werke darzu­stellen (dt. und frz. Ausgabe, jeweils 304 Seiten, ca. 400 Abb.).

Kuratorin
Blandine Chavanne

Wissen­schaft­li­cher Beirat
Jean-Jacques Lebel


Nusch Éluard, Paul Éluard und unbekannt, Cadavre exquis, ca. 1930 Buntstift auf schwarzem Papier, 32,5 × 24 cm Sammlung David und Marcel Fleiss, Galerie 1900−2000, Paris, Foto: Galerie 1900–2000, Paris

In Koope­ra­tion mit dem Museum der Zivili­sa­tionen Europas und des Mittel­meers in Marseille